Auktionsarchiv: Los-Nr. 8268

Schwichtenberg, Martel Stilleben mit japanischer Puppe

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Auktionsarchiv: Los-Nr. 8268

Schwichtenberg, Martel Stilleben mit japanischer Puppe

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Beschreibung:

Stilleben mit japanischer Puppe Öl auf Leinwand. 1920er Jahre. 75 x 60 cm. Oben links mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "M. Schwichtenberg". Ganz dem modernen Frauenbild der Zwanziger Jahre entsprechend, setzt Martel Schwichtenberg statt eines niedlich-blondbezopften Puppenkindes ins Zentrum ihres Stillebens eine japanische Mädchenfigur mit modernem Kurzhaarschnitt und leuchtend buntem, abstrakt gemusterten Kimono. Mitten im Vordergrund steht eine rätselhafte gelbe, geschlossene Schachtel auf dem Tisch und der lebendig gemusterten Decke, vorne links bauscht sich ein duftiger rosa Schleier vor der Glasvase mit strahlend gelben Schlüsselblumen. Mit lockerem Duktus und breitem Pinsel spielt Schwichtenberg mit scheinbar unzusammenhängenden Bildelementen, von denen jedes sein Geheimnis nicht sogleich offenbart, die aber sowohl durch das räumliche Miteinander als auch durch den Farbklang von Gelb und Rosanuancen miteinander in Verbindung treten. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf schloss die junge Künstlerin Justine Adele Martha Schwichtenberg in Hagen Bekanntschaft mit Christian Rohlfs und Milly Steger deren skandalträchtiges Auftreten im Herrenanzug und mit Kurzhaarschnitt sie so bewunderte, dass sie es begeistert kopierte. Schon 1917 wurde sie Mitarbeiterin des Bildhauers und Architekten Bernhard Hoetger mit dem sie Pläne für das visionäre, jedoch nie realisierte Projekt einer komplett künstlerisch durchkomponierten „TET-Stadt“ der Bahlsen-Werke entwarf. Sie blieb noch lange für Bahlsen tätig und gestaltete Plakate und Verpackungen für die Firma, große Glasfenster und expressionistische Wandgemälde für den Musterladen und das Treppenhaus im neuen Fabrikgebäude. Finanziell nun abgesichert, konnte sie sich 1920 in Berlin-Charlottenburg ein eigenes Atelier einrichten. Sie nahm künstlerische Einflüsse der "Brücke" auf, schloss Bekanntschaft mit Schmidt-Rottluff, Heckel und Pechstein, trat dem Werkbund und der revolutionären Novembergruppe bei. Ihren Vornamen änderte sie in Martel nach der französischen Cognacmarke und war drei Jahre lang mit ihrem Malerkollegen Willi Robert Huth verheiratet. Viele Reisen zeigten ihre Einflüsse in den Werken der jungen Künstlerin: nach Worpswede, u. a. mit Hoetger und Vogeler, nach Pommern und nach Italien, nach Spanien, Frankreich, Nordafrika und Dänemark. Es entstanden kraftvolle Gemälde und Graphiken, die an Paula Modersohn-Becker denken lassen, und, gegen Ende der 1920er Jahre, flächigere, leuchtende Stilleben und Porträts ihrer Freunde aus der Berliner Künstlerszene (u. a. Ernst Barlach Tilla Durieux, Alfred Flechtheim, Wilhelm Valentiner, Herwarth Walden) im Stil der Neuen Sachlichkeit. Schon früh beteiligte sie sich an Ausstellungen, z. B. im Folkwang-Museum Essen (1916), beim Berliner Verein der Künstlerinnen in "Die Frau von heute", bei Flechtheim am Lützowufer, und in New York. Aus politischer Weitsicht oder aber aus Abenteuerlust - Schwichtenberg emigrierte Anfang 1933, erst nach Italien, dann nach Südafrika, wo sie sich mit Leichtigkeit eine neue Existenz aufbaute. 1939 überraschte sie der Kriegsausbruch bei einem Berlinaufenthalt, und so musste sie die folgenden Jahre zurückgezogen in Süddeutschland verbringen.

Auktionsarchiv: Los-Nr. 8268
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Stilleben mit japanischer Puppe Öl auf Leinwand. 1920er Jahre. 75 x 60 cm. Oben links mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "M. Schwichtenberg". Ganz dem modernen Frauenbild der Zwanziger Jahre entsprechend, setzt Martel Schwichtenberg statt eines niedlich-blondbezopften Puppenkindes ins Zentrum ihres Stillebens eine japanische Mädchenfigur mit modernem Kurzhaarschnitt und leuchtend buntem, abstrakt gemusterten Kimono. Mitten im Vordergrund steht eine rätselhafte gelbe, geschlossene Schachtel auf dem Tisch und der lebendig gemusterten Decke, vorne links bauscht sich ein duftiger rosa Schleier vor der Glasvase mit strahlend gelben Schlüsselblumen. Mit lockerem Duktus und breitem Pinsel spielt Schwichtenberg mit scheinbar unzusammenhängenden Bildelementen, von denen jedes sein Geheimnis nicht sogleich offenbart, die aber sowohl durch das räumliche Miteinander als auch durch den Farbklang von Gelb und Rosanuancen miteinander in Verbindung treten. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf schloss die junge Künstlerin Justine Adele Martha Schwichtenberg in Hagen Bekanntschaft mit Christian Rohlfs und Milly Steger deren skandalträchtiges Auftreten im Herrenanzug und mit Kurzhaarschnitt sie so bewunderte, dass sie es begeistert kopierte. Schon 1917 wurde sie Mitarbeiterin des Bildhauers und Architekten Bernhard Hoetger mit dem sie Pläne für das visionäre, jedoch nie realisierte Projekt einer komplett künstlerisch durchkomponierten „TET-Stadt“ der Bahlsen-Werke entwarf. Sie blieb noch lange für Bahlsen tätig und gestaltete Plakate und Verpackungen für die Firma, große Glasfenster und expressionistische Wandgemälde für den Musterladen und das Treppenhaus im neuen Fabrikgebäude. Finanziell nun abgesichert, konnte sie sich 1920 in Berlin-Charlottenburg ein eigenes Atelier einrichten. Sie nahm künstlerische Einflüsse der "Brücke" auf, schloss Bekanntschaft mit Schmidt-Rottluff, Heckel und Pechstein, trat dem Werkbund und der revolutionären Novembergruppe bei. Ihren Vornamen änderte sie in Martel nach der französischen Cognacmarke und war drei Jahre lang mit ihrem Malerkollegen Willi Robert Huth verheiratet. Viele Reisen zeigten ihre Einflüsse in den Werken der jungen Künstlerin: nach Worpswede, u. a. mit Hoetger und Vogeler, nach Pommern und nach Italien, nach Spanien, Frankreich, Nordafrika und Dänemark. Es entstanden kraftvolle Gemälde und Graphiken, die an Paula Modersohn-Becker denken lassen, und, gegen Ende der 1920er Jahre, flächigere, leuchtende Stilleben und Porträts ihrer Freunde aus der Berliner Künstlerszene (u. a. Ernst Barlach Tilla Durieux, Alfred Flechtheim, Wilhelm Valentiner, Herwarth Walden) im Stil der Neuen Sachlichkeit. Schon früh beteiligte sie sich an Ausstellungen, z. B. im Folkwang-Museum Essen (1916), beim Berliner Verein der Künstlerinnen in "Die Frau von heute", bei Flechtheim am Lützowufer, und in New York. Aus politischer Weitsicht oder aber aus Abenteuerlust - Schwichtenberg emigrierte Anfang 1933, erst nach Italien, dann nach Südafrika, wo sie sich mit Leichtigkeit eine neue Existenz aufbaute. 1939 überraschte sie der Kriegsausbruch bei einem Berlinaufenthalt, und so musste sie die folgenden Jahre zurückgezogen in Süddeutschland verbringen.

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