Auktionsarchiv: Los-Nr. 2131

Schiller, Friedrich von Brief 1787 an Körner

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Auktionsarchiv: Los-Nr. 2131

Schiller, Friedrich von Brief 1787 an Körner

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Beschreibung:

Über Lavater und Wieland Schiller, Friedrich von, der große Dichter (1759-1805). Eigh. Brief m. U. "Schiller" sowie Adresse und Siegel. 3 S., eng beschrieben. Gr. 4to. Weimar 6.X.1787. Besonders umfang- und inhaltsreicher Brief an seinen Freund Christian Gottfried Körner, Oberkonsistorialrat in Dresden, den er mit allen verfügbaren Neuigkeiten aus Weimar versorgt und viel Interessantes über Johann Caspar Lavater und dessen Sohn sowie über sein gespanntes Verhältnis zu Christoph Martin Wieland mitteilt: "... Charlottens Verfassung ist dieselbe wie ich hieher kam - warum wär ich also hier gewesen? Ich bin der Reflexionen darüber so müde geworden, daß ich dieser Materie aus dem Wege gehe - und biß ich mit meiner gegenwärtigen Arbeit zu Stande bin habe ich es ganz aufgegeben, an mich selbst zu denken ... Unser Herzog [Carl August] geht zum Leidwesen das ganzen Landes in holländische Dienste [Irrtum: er trat in preußische Dienste], er war etliche Tage hier und ist im Flug wieder fort nach Holland um wahrscheinlich den ganzen Winter da zu bleiben. Gesprochen habe ich ihn nicht. Ich ließ ihm durch Knebeln [d. i. Karl Ludwig von K.] melden, daß ich ihm gern mein Compliment machte, wenn er einen Augenblick für mich übrig hätte, zu sprechen hätte ich aber sonst nichts mit ihm, worauf ich zur Antwort bekam, daß er mir eine Zeit nennen würde - Es ist aber nicht geschehn, weil sie ihn hier gar nicht zu Athem haben haben kommen laßen. Gestern Abend ist er fort. - Biester [der Herausgeber der Berlinischen Monatsschrift ] war diese Tage auch hier. Er gefällt mir wenig. Eine feine forschende Physiognomie, der es aber doch auch nicht an Presumption fehlt. Er war bei Lavater , der ihn fast über Magnetismus bekehrt hat. Auch Lavaters Sohn war in Weimar, der sich in der Welt herumführt und sagt, daß er nicht von seines Vaters Meynung sey. Sein Vater, hört man von ihm, bereue jezt manches - er gibt auch Aufschlüße über seinen Vater, die vieles gutmachen. Schade daß er diesen Sohn nicht vor seine Schriften kann binden laßen. Es sind doch indiscrete Bursche die Autoren! Der junge Mensch erzählt unter andern auch Campen von seinem Vater und daß dieser vieles zurücknehmen würde, wenn er könnte. Campe läßt das drucken und Lavater jammert gegen seinen Sohn, daß der arme Mensch jezt niemand mehr traut. Ich bin diese Woche von vielen Göttingern heimgesucht worden, die während der Ferien herumstreifen. Sie erzählten mir von Schlözers farce mit seiner Tochter, die doch ganz erbärmlich ist [Schlözer hatte seine höchst gelehrte Tochter Dorothea zum Dr. promovieren lassen]. Bürger will über den Kant lesen. Mit Wieland habe ich seit einiger Zeit wieder sprechen müssen, weil wir einander an fremdem Ort trafen ... Es ist doch sonderbar mit dem Menschen. Wenn es mir sonst begegnet wäre, daß meine schönen und überspannten Ideale von Menschen und Freundschaft so zu Schanden giengen, so hätte ich mich eines Widerwillens oder Schmerzens kaum erwehren können. Hier war ich so ruhig, kalt und unbefangen, daß ein Dritter nichts ahnden konnte, wie nahe wir uns einst waren und wie trivial wir aus einander kamen. Es ist hier seit dem 1. October eine Mittwochsgesellschaft ... Hier hab ich Wieland wieder und mehr gesprochen. Er spielte schon wie ich kam, weil noch sonst wenige da waren stellte ich mich zu seinem Spieltisch. Er wollte mir einen Stich versetzen und sagte, ich müße mir eine sehr schlechte Idee von ihm machen weil ich ihn nie sehe als mit Charten. Ich sehe ihn recht gern, so sagte ich. Aber fuhr er fort, sein Leben sei überhaupt ja nur Spiel - Es drückte mich auf dem Herzen, Amen zu sagen. Die Bertuch gab mir hernach ihre Charten und ich spielte mit. Ich hielt nachher eine Unterredung mit ihm über den tiefen Geist des Whistspiels und bekam seine Spielerfahrung zu hören. Seine Frau kam dazu und er sprach von seinem friedlichen Ehestand. Hier hat er mir recht wohl gefallen. In der That ist sie auch ein so nachgiebiges gutmüthiges Geschöp

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Über Lavater und Wieland Schiller, Friedrich von, der große Dichter (1759-1805). Eigh. Brief m. U. "Schiller" sowie Adresse und Siegel. 3 S., eng beschrieben. Gr. 4to. Weimar 6.X.1787. Besonders umfang- und inhaltsreicher Brief an seinen Freund Christian Gottfried Körner, Oberkonsistorialrat in Dresden, den er mit allen verfügbaren Neuigkeiten aus Weimar versorgt und viel Interessantes über Johann Caspar Lavater und dessen Sohn sowie über sein gespanntes Verhältnis zu Christoph Martin Wieland mitteilt: "... Charlottens Verfassung ist dieselbe wie ich hieher kam - warum wär ich also hier gewesen? Ich bin der Reflexionen darüber so müde geworden, daß ich dieser Materie aus dem Wege gehe - und biß ich mit meiner gegenwärtigen Arbeit zu Stande bin habe ich es ganz aufgegeben, an mich selbst zu denken ... Unser Herzog [Carl August] geht zum Leidwesen das ganzen Landes in holländische Dienste [Irrtum: er trat in preußische Dienste], er war etliche Tage hier und ist im Flug wieder fort nach Holland um wahrscheinlich den ganzen Winter da zu bleiben. Gesprochen habe ich ihn nicht. Ich ließ ihm durch Knebeln [d. i. Karl Ludwig von K.] melden, daß ich ihm gern mein Compliment machte, wenn er einen Augenblick für mich übrig hätte, zu sprechen hätte ich aber sonst nichts mit ihm, worauf ich zur Antwort bekam, daß er mir eine Zeit nennen würde - Es ist aber nicht geschehn, weil sie ihn hier gar nicht zu Athem haben haben kommen laßen. Gestern Abend ist er fort. - Biester [der Herausgeber der Berlinischen Monatsschrift ] war diese Tage auch hier. Er gefällt mir wenig. Eine feine forschende Physiognomie, der es aber doch auch nicht an Presumption fehlt. Er war bei Lavater , der ihn fast über Magnetismus bekehrt hat. Auch Lavaters Sohn war in Weimar, der sich in der Welt herumführt und sagt, daß er nicht von seines Vaters Meynung sey. Sein Vater, hört man von ihm, bereue jezt manches - er gibt auch Aufschlüße über seinen Vater, die vieles gutmachen. Schade daß er diesen Sohn nicht vor seine Schriften kann binden laßen. Es sind doch indiscrete Bursche die Autoren! Der junge Mensch erzählt unter andern auch Campen von seinem Vater und daß dieser vieles zurücknehmen würde, wenn er könnte. Campe läßt das drucken und Lavater jammert gegen seinen Sohn, daß der arme Mensch jezt niemand mehr traut. Ich bin diese Woche von vielen Göttingern heimgesucht worden, die während der Ferien herumstreifen. Sie erzählten mir von Schlözers farce mit seiner Tochter, die doch ganz erbärmlich ist [Schlözer hatte seine höchst gelehrte Tochter Dorothea zum Dr. promovieren lassen]. Bürger will über den Kant lesen. Mit Wieland habe ich seit einiger Zeit wieder sprechen müssen, weil wir einander an fremdem Ort trafen ... Es ist doch sonderbar mit dem Menschen. Wenn es mir sonst begegnet wäre, daß meine schönen und überspannten Ideale von Menschen und Freundschaft so zu Schanden giengen, so hätte ich mich eines Widerwillens oder Schmerzens kaum erwehren können. Hier war ich so ruhig, kalt und unbefangen, daß ein Dritter nichts ahnden konnte, wie nahe wir uns einst waren und wie trivial wir aus einander kamen. Es ist hier seit dem 1. October eine Mittwochsgesellschaft ... Hier hab ich Wieland wieder und mehr gesprochen. Er spielte schon wie ich kam, weil noch sonst wenige da waren stellte ich mich zu seinem Spieltisch. Er wollte mir einen Stich versetzen und sagte, ich müße mir eine sehr schlechte Idee von ihm machen weil ich ihn nie sehe als mit Charten. Ich sehe ihn recht gern, so sagte ich. Aber fuhr er fort, sein Leben sei überhaupt ja nur Spiel - Es drückte mich auf dem Herzen, Amen zu sagen. Die Bertuch gab mir hernach ihre Charten und ich spielte mit. Ich hielt nachher eine Unterredung mit ihm über den tiefen Geist des Whistspiels und bekam seine Spielerfahrung zu hören. Seine Frau kam dazu und er sprach von seinem friedlichen Ehestand. Hier hat er mir recht wohl gefallen. In der That ist sie auch ein so nachgiebiges gutmüthiges Geschöp

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