Auktionsarchiv: Los-Nr. 349

Männliche Zauberfigur "nkisi" / "nkishi" (pl. "mankisi" / "mankishi")

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Auktionsarchiv: Los-Nr. 349

Männliche Zauberfigur "nkisi" / "nkishi" (pl. "mankisi" / "mankishi")

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Beschreibung:

Holz, Metall, Tierhörner und -haut, Nüsse, Pflanzenfaser, Sockel Als Vermittler zwischen den Geistern der Vorfahren und den Lebenden sollten solch große "mankisi" der ganzen Gemeinschaft zugute kommen. Die Herstellung eines "nkisi" war ein öffentliches Ereignis, das einen geschickten Schnitzer und einen erfahrenen rituellen Spezialisten "nganga" erforderte. Häuptlinge und Älteste gaben den "nkisi" in Auftrag, und die Gemeinschaft war für das Fällen des für die Schnitzerei ausgewählten Baumes verantwortlich. Der "nganga" entschied über die Merkmale des "nkisi" und die Art des zu verwendenden Holzes, das oft wegen seiner heilenden oder giftigen Eigenschaften oder wegen seiner Verbindung zu bestimmten Ahnenkontexten ausgewählt wurde. Sobald die Figur fertiggestellt war, stellte der "nganga" die magische Ladung "bishimba" zusammen, eine Mischung aus tierischen, pflanzlichen und mineralischen Substanzen. Erst durch das Hinzufügen dieser heiligen Substanzen wurde der "nkisi" rituell aufgeladen und konnte so zu einem Medium für spirituelle Kräfte werden. Laut der Anthropologin und Songye-Kunstspezialistin Dunja Hersak, die sich auf ihre Feldforschung in der Region in den 1970er Jahren stützt, war der "nganga" dafür verantwortlich, "die geistigen Kräfte mit der physischen Welt ins Spiel zu bringen" und galt als der wahre Schöpfer des "nkisi". Nach seiner Fertigstellung wurde die "nkisi"- Figur in einem Unterstand an einem gut sichtbaren Ort aufgestellt, etwa im Zentrum des Dorfes oder in der Nähe des Häuptlingshauses. Die Figur wurde von einem Wächter betreut, der auch als Dolmetscher für den "nkisi" diente, dessen Botschaften durch Träume oder Besessenheitsrituale empfangen wurden. Kollektive Konsultationen fanden nach bestimmten Träumen oder Albträumen statt, und bei Feiern zu Zeiten des "Neumondes", einer Phase, die für neues Leben, Fruchtbarkeit und Reichtum steht und daher mit dem Lebenszyklus der Menschen, als auch mit dem Kreislauf von Natur und Ackerbau assoziiert wird. Bei diesen Gelegenheiten wurde die "nkisi" - Figur aus ihrem Gehäuse genommen, um durch die Lebenskraft des Mondes wieder aufgeladen zu werden. Sie wurde mit dem Blut eines geopferten Huhns besprengt und mit Palmöl gesalbt, wodurch sie ihre charakteristische glänzende Patina erhielt. Die "nkisi" Figur wurde in einer Prozession durch das Dorf getragen, durfte aber wegen ihrer großen Kraft nicht berührt werden, sondern es mussten Holzstangen verwendet werden, die mit Bastschnüren unter ihren Armen befestigt waren. "Mankisi" dienten dem Wohlergehen einer Gemeinschaft, sicherten die Fruchtbarkeit, schützten vor Krankheiten und hielten allgemein bösartige Einflüsse fern. Ihr Einsatz spiegelte die Angst wider, dass störende Kräfte die Einheit des Dorfes beschädigen könnten. Die "mankisi" waren Symbol für Kontinuität und Einheit, gerade in den letzten drei Jahrzenten des 19. Jahrhunderts, die durch den Zerfall der großen Häuptlingstümer und einen drastischen Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet waren. Sie repräsentierten eine kollektive Identität und konnten Generationen überdauern. Kommunale "mankisi" wurden mit Ehrennamen versehen, und man erinnerte sich an ihre Existenz noch lange, nachdem sie nicht mehr verwendet wurden. Hersak, Dunja, Songye, Masks and Figure Sculpture, London 1986, p. 117 ff Petridis, Constantine, Art and Power in the Central African Savanna, Brussels 2008, p. 67 ff. ADHRC: 0040214
H: 65 cm / 77,5 cm (with horn)

Auktionsarchiv: Los-Nr. 349
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Auktionshaus:
Beschreibung:

Holz, Metall, Tierhörner und -haut, Nüsse, Pflanzenfaser, Sockel Als Vermittler zwischen den Geistern der Vorfahren und den Lebenden sollten solch große "mankisi" der ganzen Gemeinschaft zugute kommen. Die Herstellung eines "nkisi" war ein öffentliches Ereignis, das einen geschickten Schnitzer und einen erfahrenen rituellen Spezialisten "nganga" erforderte. Häuptlinge und Älteste gaben den "nkisi" in Auftrag, und die Gemeinschaft war für das Fällen des für die Schnitzerei ausgewählten Baumes verantwortlich. Der "nganga" entschied über die Merkmale des "nkisi" und die Art des zu verwendenden Holzes, das oft wegen seiner heilenden oder giftigen Eigenschaften oder wegen seiner Verbindung zu bestimmten Ahnenkontexten ausgewählt wurde. Sobald die Figur fertiggestellt war, stellte der "nganga" die magische Ladung "bishimba" zusammen, eine Mischung aus tierischen, pflanzlichen und mineralischen Substanzen. Erst durch das Hinzufügen dieser heiligen Substanzen wurde der "nkisi" rituell aufgeladen und konnte so zu einem Medium für spirituelle Kräfte werden. Laut der Anthropologin und Songye-Kunstspezialistin Dunja Hersak, die sich auf ihre Feldforschung in der Region in den 1970er Jahren stützt, war der "nganga" dafür verantwortlich, "die geistigen Kräfte mit der physischen Welt ins Spiel zu bringen" und galt als der wahre Schöpfer des "nkisi". Nach seiner Fertigstellung wurde die "nkisi"- Figur in einem Unterstand an einem gut sichtbaren Ort aufgestellt, etwa im Zentrum des Dorfes oder in der Nähe des Häuptlingshauses. Die Figur wurde von einem Wächter betreut, der auch als Dolmetscher für den "nkisi" diente, dessen Botschaften durch Träume oder Besessenheitsrituale empfangen wurden. Kollektive Konsultationen fanden nach bestimmten Träumen oder Albträumen statt, und bei Feiern zu Zeiten des "Neumondes", einer Phase, die für neues Leben, Fruchtbarkeit und Reichtum steht und daher mit dem Lebenszyklus der Menschen, als auch mit dem Kreislauf von Natur und Ackerbau assoziiert wird. Bei diesen Gelegenheiten wurde die "nkisi" - Figur aus ihrem Gehäuse genommen, um durch die Lebenskraft des Mondes wieder aufgeladen zu werden. Sie wurde mit dem Blut eines geopferten Huhns besprengt und mit Palmöl gesalbt, wodurch sie ihre charakteristische glänzende Patina erhielt. Die "nkisi" Figur wurde in einer Prozession durch das Dorf getragen, durfte aber wegen ihrer großen Kraft nicht berührt werden, sondern es mussten Holzstangen verwendet werden, die mit Bastschnüren unter ihren Armen befestigt waren. "Mankisi" dienten dem Wohlergehen einer Gemeinschaft, sicherten die Fruchtbarkeit, schützten vor Krankheiten und hielten allgemein bösartige Einflüsse fern. Ihr Einsatz spiegelte die Angst wider, dass störende Kräfte die Einheit des Dorfes beschädigen könnten. Die "mankisi" waren Symbol für Kontinuität und Einheit, gerade in den letzten drei Jahrzenten des 19. Jahrhunderts, die durch den Zerfall der großen Häuptlingstümer und einen drastischen Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet waren. Sie repräsentierten eine kollektive Identität und konnten Generationen überdauern. Kommunale "mankisi" wurden mit Ehrennamen versehen, und man erinnerte sich an ihre Existenz noch lange, nachdem sie nicht mehr verwendet wurden. Hersak, Dunja, Songye, Masks and Figure Sculpture, London 1986, p. 117 ff Petridis, Constantine, Art and Power in the Central African Savanna, Brussels 2008, p. 67 ff. ADHRC: 0040214
H: 65 cm / 77,5 cm (with horn)

Auktionsarchiv: Los-Nr. 349
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