Auktionsarchiv: Los-Nr. 2644

Humboldt, Alexander von Brief an S. L. Endlicher

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Auktionsarchiv: Los-Nr. 2644

Humboldt, Alexander von Brief an S. L. Endlicher

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Beschreibung:

» größer Humboldt als "Kulturreferent" des Königs Humboldt, Alexander von, der große Naturforscher, Weltreisende und Geograph (1769-1859). Eigh. Brief m. U. "Al Humboldt". 2 S. Doppelblatt. Gr. 4to. Berlin 22. und 23.IX.1844. Sehr umfangreicher und interessanter Brief an den (nicht genannten) Botaniker, Sinologen und Germanisten Stephan Ladislaus Endlicher (1804-1849) in Wien, der soeben durch den König von Preußen zum Ritter des Ordens pour le mérite (für Wissenschaft und Künste) ernannt worden war. Humboldt gratuliert ausführlich in einer Art Laudatio: "Sie werden, mein verehrter Freund, (entwöhnen Sie sich der furchtbaren Exc!) von unserem vortreflichen Gesandten, dem Herrn General v. Canitz [d. i. Karl von Canitz und Dallwitz, Generalleutnant und preuss. Gesandter in Wien] bereits erfahren haben, wie gern ich in diesen lezten Wochen die oftmalige Gelegenheit benuzt habe, Ihren Namen zu schreiben. Es ist eine edle und würdige Ernennung, die der König in seinem neuen Orden macht, dessen Charakter der Independenz von allen Zufälligkeiten der Stellung im Leben, des Nicht-Intellectuellen, in den Namen ausgesprochen ist, welche die Ordensliste bilden. Bei Ihrem indeß, vor dem man, in dem Reichthum Ihrer Begabtheit, nicht weiß, ob als tiefer und geistreicher Pflanzenforscher, oder als Philologe der classischen Zeit und der Mönchskasten des Mittelalters, oder als chinesischer Geograph Sie zu ernennen sind, hat doch Zufälligkeit glücklich gewirkt. Ganz Deutsch im edelsten Sinne des Worts, haben Sie die Klugheit gehabt, im Madjaren Lande der Sonne Licht zu begrüßen. Und so habe ich, der unwürdige Kanzler des 'Ordens für das Verdienst in Wissenschaft und Kunst' , auch Ihre ausländische Abkunft herausheben müssen. Nur Männer dieser Abkunft darf der König selbst ernennen, alle anderen werden durch Stimmenmehrheit, d. h. Leidenschaft, Nähe, Rüksichten nicht immer ganz litterarischer Art, gewählt. ... Der Orden war, anfangs nur mit Kühnheit in Gegenwart derer zu tragen, die ihn nicht erlangt hatten. Dass Sie, theurer Freund, die Ausfertigung noch nicht erhalten haben, liegt bloß an den militärischen Reisen des Königs. Ich habe vorgestern noch deshalb an einen der Minister geschrieben, die den König begleiten. Der König kommt übrigens morgen selbst zurük und ich bin heute in allen 'Horreurs' einer neuen Uebersiedelung nach Potsdam. Verzeihen Sie also und der vortrefliche Leopold Fitzinger , dessen großes zoologisches Verdienst mir gewiß immer gegenwärtig ist, die Kürze dieser Zeilen. Ihr Brief hat mein ganzes Haus in Unruhe gesezt; es ist nicht ein kleiner Winkel des Hauses hier und im Potsdamer Schloß, wo meine Bücher liegen, den wir nicht durchforscht hätten. Ich kenne die 'Neue Classification der Reptilien nach ihren Verwandschaften und ein Verzeichniß der im k. k. Cabinet aufbewahrten' von 1826 in 4to [von Leopold Josef Fitzinger in Wien], aber ich habe nie das Systema Reptilium von Dr. Fitzinger mit einem Briefe empfangen. Ich erhalte, einem leider! so litterarischen und kunstliebenden König nahe, freilich oft 50-60 Briefe in einer Woche, aber wie würde ich die Erinnerung verloren haben, wenn von solch einem Buche und einem so wichtigen, von mir so geachteten Manne die Rede ist. Soll das Buch durch die kaiserliche Gesandschaft oder durch Buchhändler Gelegenheit an mich gegangen sein? ... Unter allen aufgehobenen Briefen finde ich ebenfalls keine von Dr. Fitzinger. Ich beschwöre diesen, mir ja nicht ein zweites Exemplar zu schiken ich werde es für meine Büchersammlung mir schon selbst anschaffen, meine Bitte geht bloß dahin, daß das Exemplar für den König, samt einem versiegelten Briefe, in dem ich als Freund und Verehrer des Verf. genannt werden muß, baldigst an mich komme. Ich werde dafür sorgen, daß es dem Könige übergeben werde durch einen meiner Freunde im Geh. Cabinett des Königs (ich selbst übergebe nie Bücher). Ich werde dann dem König von der Lage Ihres Freundes sprechen und hoffe es dahin zu bringen, da

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» größer Humboldt als "Kulturreferent" des Königs Humboldt, Alexander von, der große Naturforscher, Weltreisende und Geograph (1769-1859). Eigh. Brief m. U. "Al Humboldt". 2 S. Doppelblatt. Gr. 4to. Berlin 22. und 23.IX.1844. Sehr umfangreicher und interessanter Brief an den (nicht genannten) Botaniker, Sinologen und Germanisten Stephan Ladislaus Endlicher (1804-1849) in Wien, der soeben durch den König von Preußen zum Ritter des Ordens pour le mérite (für Wissenschaft und Künste) ernannt worden war. Humboldt gratuliert ausführlich in einer Art Laudatio: "Sie werden, mein verehrter Freund, (entwöhnen Sie sich der furchtbaren Exc!) von unserem vortreflichen Gesandten, dem Herrn General v. Canitz [d. i. Karl von Canitz und Dallwitz, Generalleutnant und preuss. Gesandter in Wien] bereits erfahren haben, wie gern ich in diesen lezten Wochen die oftmalige Gelegenheit benuzt habe, Ihren Namen zu schreiben. Es ist eine edle und würdige Ernennung, die der König in seinem neuen Orden macht, dessen Charakter der Independenz von allen Zufälligkeiten der Stellung im Leben, des Nicht-Intellectuellen, in den Namen ausgesprochen ist, welche die Ordensliste bilden. Bei Ihrem indeß, vor dem man, in dem Reichthum Ihrer Begabtheit, nicht weiß, ob als tiefer und geistreicher Pflanzenforscher, oder als Philologe der classischen Zeit und der Mönchskasten des Mittelalters, oder als chinesischer Geograph Sie zu ernennen sind, hat doch Zufälligkeit glücklich gewirkt. Ganz Deutsch im edelsten Sinne des Worts, haben Sie die Klugheit gehabt, im Madjaren Lande der Sonne Licht zu begrüßen. Und so habe ich, der unwürdige Kanzler des 'Ordens für das Verdienst in Wissenschaft und Kunst' , auch Ihre ausländische Abkunft herausheben müssen. Nur Männer dieser Abkunft darf der König selbst ernennen, alle anderen werden durch Stimmenmehrheit, d. h. Leidenschaft, Nähe, Rüksichten nicht immer ganz litterarischer Art, gewählt. ... Der Orden war, anfangs nur mit Kühnheit in Gegenwart derer zu tragen, die ihn nicht erlangt hatten. Dass Sie, theurer Freund, die Ausfertigung noch nicht erhalten haben, liegt bloß an den militärischen Reisen des Königs. Ich habe vorgestern noch deshalb an einen der Minister geschrieben, die den König begleiten. Der König kommt übrigens morgen selbst zurük und ich bin heute in allen 'Horreurs' einer neuen Uebersiedelung nach Potsdam. Verzeihen Sie also und der vortrefliche Leopold Fitzinger , dessen großes zoologisches Verdienst mir gewiß immer gegenwärtig ist, die Kürze dieser Zeilen. Ihr Brief hat mein ganzes Haus in Unruhe gesezt; es ist nicht ein kleiner Winkel des Hauses hier und im Potsdamer Schloß, wo meine Bücher liegen, den wir nicht durchforscht hätten. Ich kenne die 'Neue Classification der Reptilien nach ihren Verwandschaften und ein Verzeichniß der im k. k. Cabinet aufbewahrten' von 1826 in 4to [von Leopold Josef Fitzinger in Wien], aber ich habe nie das Systema Reptilium von Dr. Fitzinger mit einem Briefe empfangen. Ich erhalte, einem leider! so litterarischen und kunstliebenden König nahe, freilich oft 50-60 Briefe in einer Woche, aber wie würde ich die Erinnerung verloren haben, wenn von solch einem Buche und einem so wichtigen, von mir so geachteten Manne die Rede ist. Soll das Buch durch die kaiserliche Gesandschaft oder durch Buchhändler Gelegenheit an mich gegangen sein? ... Unter allen aufgehobenen Briefen finde ich ebenfalls keine von Dr. Fitzinger. Ich beschwöre diesen, mir ja nicht ein zweites Exemplar zu schiken ich werde es für meine Büchersammlung mir schon selbst anschaffen, meine Bitte geht bloß dahin, daß das Exemplar für den König, samt einem versiegelten Briefe, in dem ich als Freund und Verehrer des Verf. genannt werden muß, baldigst an mich komme. Ich werde dafür sorgen, daß es dem Könige übergeben werde durch einen meiner Freunde im Geh. Cabinett des Königs (ich selbst übergebe nie Bücher). Ich werde dann dem König von der Lage Ihres Freundes sprechen und hoffe es dahin zu bringen, da

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