(Haarlem 1562–1638) Allegorische Szene, rechts die drei Grazien (Töchter des Jupiter) Aglaia, Euphrosyne und Thalia mit einem Schleier, einem Spiegel und einem Kranz, im Hintergrund Venus und Amor auf einer Muschel, darüber, in Wolken gehüllt, die Götterversammlung im Olymp, signiert und datiert unten links: CVH (ligiert) 1622, Öl auf Leinwand, 89 x 81 cm, gerahmt Provenienz: Kurfürstlich Bayerische Gemäldegalerie, Schloss Schleissheim; Auktion Lempertz, Köln, Die Bestände der Kunsthandlung Malmedé und Geissendörfer, 26. November 1931, Lot 669; Galerie Pieter de Boer, Amsterdam (um 1965/69); Sammlung Mrs. D. E. Hawkins, Wolverhampton, England (seit 1969) Literatur: P. J. J. van Thiel, Cornelis Cornelisz. Van Haarlem 1562-1638: A Monograph and Catalogue Raisonné, Doornspijk 1999, S. 138, 345, Kat. Nr. 133, Tafel 265 Cornelis van Haarlem begann seine künstlerische Laufbahn in der Haarlemer Werkstatt von Pieter Pietersz. Als Siebzehnjähriger reiste er über Antwerpen nach Paris, wo er sich über ein Jahr aufhielt. In Antwerpen nahm er Unterricht bei dem Maler Gillis Coignet, der ihm die Stilllebenmalerei beibrachte. Nachdem der Maler 1581 nach Haarlem zurückgekehrt war, erhielt er 1583 seinen ersten Auftrag von der Stadt Haarlem, für die er eine Schützenkompanie zu malen hatte (heute Frans Hals Museum, Haarlem). Weitere Aufträge des Magistrats folgten. Ebenso 1583 traf Cornelis mit dem Kunsthistoriographen Karel van Mander (1548-1606) zusammen, der ihm das Studium der Antike nahe brachte.. Ein weiterer seiner Freunde war der Kupferstecher Hendrick Goltzius (1558-1617). Mit ihm und Mander bildete Cornelis die sog. Haarlemer Akademie. Hier wurde der Haarlemer Manierismus entwickelt, der durch die graphischen Blätter von Goltzius in ganz Europa bekannt wurde. Die Haarlemer Manieristen bevorzugten Sujets aus der Antike, aber auch religiöse Themen, die es ihnen erlaubten, das künstlerische Potential der nackten menschlichen Gestalt auszuschöpfen. Das vorliegende Gemälde ist ein hervorragendes Beispiel für diesen Haarlemer Manierismus. Die dargestellte Szene bot dem Künstler die Gelegenheit, seine souveräne Beherrschung der Aktmalerei zu veranschaulichen. Die erste Darstellung der drei Grazien entstand zur Zeit der Antike auf Reliefs der hellenistischen Periode. Sie inspirierten Gemälde der Renaissance wie Sandro Botticellis Primavera in den Uffizien, Florenz, oder Raphaels Drei Grazien im Musée Condé in Chantilly. Peter Paul Rubens schuf 1639 die wohl bekannteste Darstellung der Drei Grazien (Museo del Prado, Madrid). Das vorliegende auf 1622 datierte Gemälde ist wohl die früheste nordeuropäische Darstellung dieses Themas. Cornelis van Haarlem gestaltete es nur einmal. P. van Thiel, der Autor der Monographie zu Cornelis van Haarlem, benennt die hier dargestellten Figuren wie folgt: rechts die drei Grazien, über ihnen im Himmel ihr Vater Zeus inmitten der Götterversammlung. Darunter auf einer Wolke Eurynome, die Mutter der Grazien. Die Repoussoirfigur mit einer Urne wird als der Flussgott Asopos, ihr Bruder, identifiziert, ihm zur Seite steht sein Vater Oceanos. Im dunklen Hintergrund sieht man eine Figurengruppe, die Zeus opfert. Im Katalog der Galerie de Boer von 1969 wurde das Sujet als Die Hochzeit der Töchter des Flussgottes Oceanus bestimmt. Möglich wäre aber auch eine abweichende Identifizierung der einzelnen Figuren. Zwei von ihnen, Euphrosyne (die als Rückenfigur dargestellte Grazie) und den grauhaarigen Flussgott auf der linken Seite entnahm Cornelis van Haarlem seinem Parisurteil von 1597. Den Flussgott verwendete er 1623 und 1628 erneut. Er integrierte also Figuren aus seinem zeichnerischen Vorrat in wechselnde Zusammenhänge. Die drei Grazien von 1622 sind ein gutes Beispiel für Cornelis van Haarlems Fähigkeit zur Assimilation des Formenschatzes der italienischen Renaissance, aber auch für sein Können als Kolorist.
(Haarlem 1562–1638) Allegorische Szene, rechts die drei Grazien (Töchter des Jupiter) Aglaia, Euphrosyne und Thalia mit einem Schleier, einem Spiegel und einem Kranz, im Hintergrund Venus und Amor auf einer Muschel, darüber, in Wolken gehüllt, die Götterversammlung im Olymp, signiert und datiert unten links: CVH (ligiert) 1622, Öl auf Leinwand, 89 x 81 cm, gerahmt Provenienz: Kurfürstlich Bayerische Gemäldegalerie, Schloss Schleissheim; Auktion Lempertz, Köln, Die Bestände der Kunsthandlung Malmedé und Geissendörfer, 26. November 1931, Lot 669; Galerie Pieter de Boer, Amsterdam (um 1965/69); Sammlung Mrs. D. E. Hawkins, Wolverhampton, England (seit 1969) Literatur: P. J. J. van Thiel, Cornelis Cornelisz. Van Haarlem 1562-1638: A Monograph and Catalogue Raisonné, Doornspijk 1999, S. 138, 345, Kat. Nr. 133, Tafel 265 Cornelis van Haarlem begann seine künstlerische Laufbahn in der Haarlemer Werkstatt von Pieter Pietersz. Als Siebzehnjähriger reiste er über Antwerpen nach Paris, wo er sich über ein Jahr aufhielt. In Antwerpen nahm er Unterricht bei dem Maler Gillis Coignet, der ihm die Stilllebenmalerei beibrachte. Nachdem der Maler 1581 nach Haarlem zurückgekehrt war, erhielt er 1583 seinen ersten Auftrag von der Stadt Haarlem, für die er eine Schützenkompanie zu malen hatte (heute Frans Hals Museum, Haarlem). Weitere Aufträge des Magistrats folgten. Ebenso 1583 traf Cornelis mit dem Kunsthistoriographen Karel van Mander (1548-1606) zusammen, der ihm das Studium der Antike nahe brachte.. Ein weiterer seiner Freunde war der Kupferstecher Hendrick Goltzius (1558-1617). Mit ihm und Mander bildete Cornelis die sog. Haarlemer Akademie. Hier wurde der Haarlemer Manierismus entwickelt, der durch die graphischen Blätter von Goltzius in ganz Europa bekannt wurde. Die Haarlemer Manieristen bevorzugten Sujets aus der Antike, aber auch religiöse Themen, die es ihnen erlaubten, das künstlerische Potential der nackten menschlichen Gestalt auszuschöpfen. Das vorliegende Gemälde ist ein hervorragendes Beispiel für diesen Haarlemer Manierismus. Die dargestellte Szene bot dem Künstler die Gelegenheit, seine souveräne Beherrschung der Aktmalerei zu veranschaulichen. Die erste Darstellung der drei Grazien entstand zur Zeit der Antike auf Reliefs der hellenistischen Periode. Sie inspirierten Gemälde der Renaissance wie Sandro Botticellis Primavera in den Uffizien, Florenz, oder Raphaels Drei Grazien im Musée Condé in Chantilly. Peter Paul Rubens schuf 1639 die wohl bekannteste Darstellung der Drei Grazien (Museo del Prado, Madrid). Das vorliegende auf 1622 datierte Gemälde ist wohl die früheste nordeuropäische Darstellung dieses Themas. Cornelis van Haarlem gestaltete es nur einmal. P. van Thiel, der Autor der Monographie zu Cornelis van Haarlem, benennt die hier dargestellten Figuren wie folgt: rechts die drei Grazien, über ihnen im Himmel ihr Vater Zeus inmitten der Götterversammlung. Darunter auf einer Wolke Eurynome, die Mutter der Grazien. Die Repoussoirfigur mit einer Urne wird als der Flussgott Asopos, ihr Bruder, identifiziert, ihm zur Seite steht sein Vater Oceanos. Im dunklen Hintergrund sieht man eine Figurengruppe, die Zeus opfert. Im Katalog der Galerie de Boer von 1969 wurde das Sujet als Die Hochzeit der Töchter des Flussgottes Oceanus bestimmt. Möglich wäre aber auch eine abweichende Identifizierung der einzelnen Figuren. Zwei von ihnen, Euphrosyne (die als Rückenfigur dargestellte Grazie) und den grauhaarigen Flussgott auf der linken Seite entnahm Cornelis van Haarlem seinem Parisurteil von 1597. Den Flussgott verwendete er 1623 und 1628 erneut. Er integrierte also Figuren aus seinem zeichnerischen Vorrat in wechselnde Zusammenhänge. Die drei Grazien von 1622 sind ein gutes Beispiel für Cornelis van Haarlems Fähigkeit zur Assimilation des Formenschatzes der italienischen Renaissance, aber auch für sein Können als Kolorist.
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