Bildnis der Mutter des Künstlers mit Spitzenhaube. Bleistift auf Velin. 22,7 x 12,9 cm. Um 1825-1827. Als "eine stille, sanfte, immer tätige Frau" beschreibt der Künstler Joseph von Führich das Wesen seiner Mutter in seinen Lebenserinnerungen (zit. nach Moriz Dreger: Josef Führich, Wien 1912, S. 69-70). Aus den Worten des Sohnes sprechen Respekt und eine große Zuneigung, was sich beides in dieser höchst subtilen Porträtstudie widerspiegelt. Nachdem Johanna Josefa Reilich aus Kratzau im September 1798 den Handswerksmeister und Maler Wenzel Ambros Führich geheiratet hatte, erblickte im Februar 1800 der erstgeborene Joseph das Licht der Welt. Ihm folgten noch elf weitere Geschwister, von denen aber nur die 1811 geborene Maria Anna Antonia das Erwachsenenalter erlebte. In der Zeichnung ist das schmale Antlitz von einer sicher skizzierten Spitzenhaube gerahmt, unter der an den Schläfen dunkle Locken hervorquellen. Die Konzentration des Künstlers liegt jedoch ganz auf den feinen Gesichtszügen der Frau. Mit großem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm, den klaren, wachen, sich in unbestimmter Ferne verlierenden Blick seiner Mutter festzuhalten. Dabei verweisen die zarten Falten um Mund und Nase sowie auf der Stirn auf ein Alter, in dem das Leben bereits seine Spuren hinterlassen hat. Die Kunstsammlungen der Veste Coburg verwahren ein ebenfalls in Bleistift ausgeführtes und annähernd gleichgroßes "Bildnis des Vaters Wenzel Ambros Führich". Der Dargestellte ist auch hier im Dreiviertelporträt wiedergegeben, nun aber nach rechts blickend. Nebeneinandergestellt würden sich die beiden Porträtierten einander zuwenden. All dies spricht dafür, dass Führich die Bildnisse seiner Eltern als Pendants geschaffen haben muss. Entstanden sind sie in den Jahren 1825-27, vor dem Aufbruch des Künstlers nach Italien. Als kostbare Erinnerungsstücke verblieben sie zeitlebens in seinem Besitz und sind beide rückseitig von der Enkelin Anny Rittinger Führich beschriftet (zum Coburger Blatt siehe Christiane Wiebel, in: Mit dem Blick des Zeichners. Aquarelle und Zeichnungen der deutschen Romantik und des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Böhm-Hennes, Ausst.Kat. Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 2009, S. 108-109, Nr. 30 mit Abb.). Führichs Bildnis seiner Mutter zeigt die gleiche Kombination von realistischer wie empfindsamer Wiedergabe, die seine besten Porträts auszeichnet. Für Jens Christian Jensen gehören „Führichs Bildniszeichnungen der zwanziger und dreißiger Jahre ... zum Schönsten romantischer Bildniskunst“ (Jens Christian Jensen, in: Deutsche Romantik. Aquarelle und Zeichnungen. Museum Georg Schäfer Schweinfurt. München/London/New York 2000, S. 102, Nr. 25). So erweist sich unser Blatt letztlich auch den bekannten Bildnissen der Familie Massimi, die kurze Zeit später 1828 in Rom entstanden, sowohl in seiner stilistischen Klarheit wie in seiner linearen Präzision als durchaus ebenbürtig (die Massimi-Porträts befinden sich heute in der National Gallery in Washington D.C., vgl. Peter Prange u.a.: German Master Drawings from the Wolfgang Ratjen Collection 1580-1900, Ausst.Kat., Washington 2010, S. 225-231, Nrn. 83-86). Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit handschriftl. Bestätigung von Anny Rittinger-Führich, der Enkelin des Künstlers). Karl Ströher, Darmstadt, durch Erbgang an dessen Tochter Dr. Erika Pohl-Ströher, Ferpicloz/Kanton Freiburg.
Bildnis der Mutter des Künstlers mit Spitzenhaube. Bleistift auf Velin. 22,7 x 12,9 cm. Um 1825-1827. Als "eine stille, sanfte, immer tätige Frau" beschreibt der Künstler Joseph von Führich das Wesen seiner Mutter in seinen Lebenserinnerungen (zit. nach Moriz Dreger: Josef Führich, Wien 1912, S. 69-70). Aus den Worten des Sohnes sprechen Respekt und eine große Zuneigung, was sich beides in dieser höchst subtilen Porträtstudie widerspiegelt. Nachdem Johanna Josefa Reilich aus Kratzau im September 1798 den Handswerksmeister und Maler Wenzel Ambros Führich geheiratet hatte, erblickte im Februar 1800 der erstgeborene Joseph das Licht der Welt. Ihm folgten noch elf weitere Geschwister, von denen aber nur die 1811 geborene Maria Anna Antonia das Erwachsenenalter erlebte. In der Zeichnung ist das schmale Antlitz von einer sicher skizzierten Spitzenhaube gerahmt, unter der an den Schläfen dunkle Locken hervorquellen. Die Konzentration des Künstlers liegt jedoch ganz auf den feinen Gesichtszügen der Frau. Mit großem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm, den klaren, wachen, sich in unbestimmter Ferne verlierenden Blick seiner Mutter festzuhalten. Dabei verweisen die zarten Falten um Mund und Nase sowie auf der Stirn auf ein Alter, in dem das Leben bereits seine Spuren hinterlassen hat. Die Kunstsammlungen der Veste Coburg verwahren ein ebenfalls in Bleistift ausgeführtes und annähernd gleichgroßes "Bildnis des Vaters Wenzel Ambros Führich". Der Dargestellte ist auch hier im Dreiviertelporträt wiedergegeben, nun aber nach rechts blickend. Nebeneinandergestellt würden sich die beiden Porträtierten einander zuwenden. All dies spricht dafür, dass Führich die Bildnisse seiner Eltern als Pendants geschaffen haben muss. Entstanden sind sie in den Jahren 1825-27, vor dem Aufbruch des Künstlers nach Italien. Als kostbare Erinnerungsstücke verblieben sie zeitlebens in seinem Besitz und sind beide rückseitig von der Enkelin Anny Rittinger Führich beschriftet (zum Coburger Blatt siehe Christiane Wiebel, in: Mit dem Blick des Zeichners. Aquarelle und Zeichnungen der deutschen Romantik und des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Böhm-Hennes, Ausst.Kat. Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 2009, S. 108-109, Nr. 30 mit Abb.). Führichs Bildnis seiner Mutter zeigt die gleiche Kombination von realistischer wie empfindsamer Wiedergabe, die seine besten Porträts auszeichnet. Für Jens Christian Jensen gehören „Führichs Bildniszeichnungen der zwanziger und dreißiger Jahre ... zum Schönsten romantischer Bildniskunst“ (Jens Christian Jensen, in: Deutsche Romantik. Aquarelle und Zeichnungen. Museum Georg Schäfer Schweinfurt. München/London/New York 2000, S. 102, Nr. 25). So erweist sich unser Blatt letztlich auch den bekannten Bildnissen der Familie Massimi, die kurze Zeit später 1828 in Rom entstanden, sowohl in seiner stilistischen Klarheit wie in seiner linearen Präzision als durchaus ebenbürtig (die Massimi-Porträts befinden sich heute in der National Gallery in Washington D.C., vgl. Peter Prange u.a.: German Master Drawings from the Wolfgang Ratjen Collection 1580-1900, Ausst.Kat., Washington 2010, S. 225-231, Nrn. 83-86). Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit handschriftl. Bestätigung von Anny Rittinger-Führich, der Enkelin des Künstlers). Karl Ströher, Darmstadt, durch Erbgang an dessen Tochter Dr. Erika Pohl-Ströher, Ferpicloz/Kanton Freiburg.
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